Haarbalgmilben – demodex canis – eine der häufigsten Hauterkrankungen des Hundes

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ÜBERTRAGUNG – SYMPTOME – BEHANDLUNG

Andreas Schüll, Dr. med. vet. I 04 Februar 2015

Zeigt der Hund die Anzeichen einer Erkrankung mit Haarbalgmilben und wird dies vom Labor bestätigt, so stehen Tierarzt und Hundebesitzer vor einer verantwortungsvollen und langwierigen Aufgabe. Übertragen werden diese Milben nicht auf den Menschen, aber von Hund zu Hund.

Aber zum Anfang:
Die canine demodikose ist eine durch die Haarbalgmilbe hervorgerufene Hauterkrankung beim Hund.
Diese Erkrankung kommt immer häufiger bei Hunden vor und wird in den ersten Tagen nach der Geburt vom Muttertier auf die Welpen übertragen. Diese Erkrankung muss nicht ausbrechen, Hunde haben also teilweise diese Parasiten, ohne klinische Symptome zu zeigen. Das Immunsystem des Hundes hält die Anzahl der Milben klein, welche ihre Eier in die Haarfollikel legen, welche dort über das Larven- das Nymphenstadium zur Milbe entstehen.

Ist das Immunsystem des Hundes geschwächt, kann sich die Haarbalgmilbe unkontrolliert vermehren. Dies führt dann dazu, dass sich eine entzündliche Hautveränderung entwickelt, gefolgt von großflächigem Haarausfall, Schuppenbildung und / oder rötlich-entzündete Hautpartien. Ebenso sind die Haarbalgmilben bei starkem Befall in Talgdrüsen der Haut, Lymphknoten, inneren Organen und Blut zu finden.

Genetischer Defekt

Eine gestörte zelluläre Immunabwehr führt beim Hund zur Erkrankung an der Demodikose. Hier sind Rassen schwerer belastet, wie beispielsweise der Mops.
Bei der chronischen Demodikose zeigt der Hund eine herabgesetzte T-Zell-Abwehr, was zu einer überdimensionalen Vermehrung der Milben führt. Die Demodex-Milben sondern massiv abwehrschwächende Faktoren ab, was zu einer dramatischen Einschränkung der Immunabwehr führt. Der genetische Defekt der herabgesetzten T-Zell-Antwort ist ausschlaggebend für die parasitäre Erkrankung. Ebenfalls falsche oder unzureichende Ernährung kann die parasitäre Erkrankung begünstigen. Aber auch eine maßlose Fellpflege oder Stressoren können zu einem Krankheitsausbruch führen.

Formen der Demodikose

Juvenile Demodikose – Wie schon erwähnt, infizieren sich die Welpen schon in den ersten Lebensstunden bei der Mutter. Die klinischen Anzeichen sind zwischen dem 3. Und 18. Monat zu sehen. Die entzündlichen Stellen sind an Oberlippe, Augenlidern, Nasenrücken, Stirn und Ohren.
Adulte Demodikose – Hierzu werden Neuerkrankungen von Hunden im Alter von vier oder mehr Jahren gezählt. Es ist eine generalisierte Form und ist meist eine Folge von Organstörungen, bösartigen Tumoren oder langdauernder immunsuppressiver Therapie. Hautveränderungen zeigen sich hier am Kopf, den Gliedmaßen und dem Rumpf. Die massive Milbenvermehrung führt zu einer Auftreibung der Haarbälge, Pustelbildung auf der Haut und Haarverlust. Eine bakterielle Superinfektion führt zur Geschwürbildung. Auf leichten Druck entleert sich dann eine talgartige, eitrig-blutige Masse, in der dann mikroskopisch Milben in den verschiedensten Entwicklungsstadien zu sehen sind. Die Haut zeigt eine massive Veränderung mit Verdickung, Faltenbildung, Zerklüftung und blaurötlichem Schimmer. In diesem Stadium ist eine Behandlung unumgänglich, weil es hier schnell zur Abmagerung und anschließendem Tod kommen kann.

Nachweis der Haarbalgmilbe

Akute Erkrankungen können schnell und unkompliziert nach einem Hautgeschabsel unter dem Mikroskop festgestellt werden. Es sind die verschiedensten Entwicklungsstadien zu sehen. Die Milbe ist dank ihrer unverwechselbaren Form eindeutig und ohne Zweifel zu identifizieren.
Bei einer chronischen, sekundär infizierten Hautveränderung ist das allerdings nicht so einfach. Sobald die Öffnung des Haarfollikels zugeschwollen oder verlegt ist, muss eine Gewebeprobe entnommen werden, um in den tieferen Hautschichten forschen zu können. Hierzu wird ein Stück Haut ausgestanzt, eine Routinetätigkeit eines Tierarztes.

Behandlung

Eine lokale und milde Form der Demodikose heilt oftmals innerhalb von sechs bis acht Wochen eigenständig ab. Leidet der Hund allerdings arg, so kann hier unterstützend behandelt werden. Der Tierarzt hat dazu entsprechende Suspensionen oder Shampoos vorrätig. Achten Sie bitte genau darauf, wie Sie die Mittel anwenden sollen.
Legen Sie Ihr Hauptaugenmerk auf mögliche körperliche Veränderungen, beispielsweise Kraftlosigkeit oder Abmagerung. Diese Symptome müssen unweigerlich separat behandelt werden von Ihrem Tierarzt.
Ist die Erkrankung mit demodex canis doch erheblich, so verschreibt der Tierarzt oftmals Kombipräparate, die auf die Haut am Nacken aufgetragen werden und der Abtötung der Milben dient. Diese Behandlung muss wiederholt werden, Ihr Tierarzt wird Sie darüber aufklären.

Achtung – Komplikationen

Zur Bekämpfung von demodex canis werden makrozyklische Laktone eingesetzt. Diese Laktone dürfen unter keinen Umständen bei Collies, Shelties, Bobteils, Shetland Sheepdogs und anderen Hütehunden eingesetzt werden. Bei diesen Rassen ist die Blut-Hirnschranke nicht so ausgebildet, wie bei anderen Rassen. Folglich passieren die Laktone diese Schranke und führen zu Krämpfen, Erbrechen, Koordinationsproblemen und oftmals auch zum Tod. Ihr Tierarzt hat aber für diese Rassen andere Präparate im Schrank.

Sonderform – Pododemodikose

Diese Sonderform zeigt sich an den Pfoten des Hundes, meist den vorderen. Diese schwillen an, sind entzündlich und schmerzhaft. Die Hunde lecken zur Linderung an den Pfoten, dies wird allerdings zu einer 24-Stunden Tätigkeit. Es entsteht fast ausschließlich eine bakterielle Superinfektion der Zwischenzehen-Haut. Hier kann es dann zu Lahmheiten führen. Diese Sonderform tritt auf bei Neufundländern, Bernhardinern, Deutschen Doggen, Bobtails und anderen großen Hunderassen. Bei den kleinen Rassen ist es der West Highland White Terrier.
Ihr Tierarzt wird diese Erkrankung mit einer antiparasitären Behandlung und antibiotischen Therapie behandeln.