Von Hunde- und Kindererziehung, ein Erfahrungsbericht

Hunderatgeber

Es ist doch immer wieder spannend zu hören, wie Hunde wahrnehmen, wie sie lernen und durch welche Hundebrille diese schlauen Rudeltierchen uns sehen.

Aus dem Blickwinkel unserer Hunde gesehen, wird dann klar, warum manche für uns Menschen so typischen Erziehungsmaßnahmen bei unserem Hund einfach nicht fruchten.

Interessant ist auch, dass unser Menschenverhalten dem Hund gegenüber oft so schwierig zu verändern ist.

Ich kenne das gut, der erste aus mir kommende Impuls, wenn mein haariger Freund mal wieder meine „Schmerzgrenze“ überschritten hat, steht auf der Liste der Hundeerziehungs-No-Gos ganz oben.

Ich hatte in der Vergangenheit schon recht viel über Hundeerziehung gelesen, fühlte mich so zu sagen als Profi und doch war ich nicht in der Lage im Alltag wirklich etwas zu verändern.

Also hieß es für mich erst mal kleine Semmeln backen und zunächst EIN Verhalten bei mir zu verändern, nicht direkt alles auf einmal. Sehr geholfen hat mir dabei der Ansatz des Positiven Lernens im Gegensatz zum meinem scheinbar angeborenen Impuls meinen Hund negativ zu verstärken, also zu schimpfen.

Klar, nichts Neues und doch ein Vorhaben, das eine grundlegende Vorbereitung braucht, zumindest gedanklich.

Mein konkretes Vorhaben war dieses: ist mein Hund aufmerksam und schaut mich an, dann bekommt er eine Belohnung. Im Gegensatz zu meinem ständigen Rufen, Ermahnen und kurz an der Leine halten, wenn wir in der Stadt unterwegs sind, er jedoch überall hin möchte, nur nicht zu mir. Mehr wollte ich zunächst nicht erreichen. Nur seine Aufmerksamkeit.

Klarheit über den Ablauf der gesamten Maßnahme ist hier sehr empfehlenswert!

Zunächst, wie möchte ich meinen Hund belohnen. Da gibt es verschiedene Möglichkeiten, ein Leckerli oder z.B. der Klicker, zunächst etwas komplizierter, dafür die nachhaltigere Methode.

Durch ein Klicker Training kann man dem Hund sehr schnell klar machen, dass sein Verhalten erwünscht ist, z.B. dass er aufmerksam ist, also sich an mir orientiert. Die Schnelligkeit beim positiven Verstärken ist eh sehr wichtig, da unsere Hunde sonst den Bezug zu ihrem Verhalten nicht mehr herstellen können. Also der Hund schaut uns an, wir klicken und dann gibt es sofort ein Leckerli. Irgendwann (und das recht schnell) lernt der Hund, dass es nach dem Klicken etwas Leckeres gibt und verknüpft das Klicken mit etwas Positivem und zeigt das gewünschte Verhalten gerne. Es ist eine klassische Konditionierung, wie wir sie auch schon im Biounterricht gelernt haben.

Das war für mich ein Aha-Erlebnis! Mein Hund kann nichts lernen, wenn ich ihn schimpfe, also z.B. mit meiner Stimme bestrafe. Jetzt weiß er vielleicht, dass er etwas gemacht hat, was ich nicht mag, nur hat er keine Ahnung davon, was ich von ihm erwarte. Abgesehen davon war ich auch selten klar, was ich nicht toleriere. Je nach Stimmung konnte ich sehr viel großzügiger sein oder sehr streng. Mein armer Hund musste anhand meiner Stimme meine Stimmung ablesen und ich kann mich mittlerweile in ihn einfühlen, dass das recht verwirrend sein kann.

Zunächst habe ich viele kürzere Spaziergänge gemacht, um uns nicht zu überfordern. Dabei war ich bewaffnet mit Klicker und Leckerlies.

Die ersten Spaziergänge fanden im gewöhnten Terrain statt. Wir sind um unseren Häuserblock geschlichen. Das stellte keine zu große Herausforderung dar, da hier nicht viel los ist und er die hier auf ihn einströmenden Sinneseindrücke schon recht gut kannte.

Dann habe ich die Umgebung variiert, Parks, Waldabschnitte und zu guter Letzt, nachdem unser Vertrauen in einander schon recht gut gewachsen war, sind wir in die Stadt gegangen.

Nach relativ kurzer Zeit und konsequentem Üben (anfangs recht nervenaufreibend) hat sich das Verhalten meines Hundes grundlegend verändern. Unsere Beziehung ist jetzt sehr positiv. Wir haben mehr Respekt voreinander, sind beide aufmerksamer. Er orientiert sich deutlich mehr nach mir und ich habe mein Handy daheim gelassen.

Meine ganze Wahrnehmung hat sich auf sein positives Verhalten ausgerichtet, denn nur das darf ja geklickert werden. Ich schaue also automatisch auf das, was mein Hund meiner Auffassung nach gut macht und schaue viel weniger nach dem, was mich nervt. Es erscheint mir fast so, also würde mir mein Hund sagen, siehste, jetzt kannste mal sehen, was ich drauf hab.

Es macht ihm Spaß mit mir zu arbeiten und er will immer mehr Lernen.

In meinem Freudentaumel über diese schnelle und durchdringende Veränderung unserer Beziehung kam mir der Gedanke, ob ich auch meinen Kindern gegenüber eine so positive Wahrnehmung habe oder ob mir auch bei ihnen eher die Dinge auffallen, die gegen meine situativ höchst individuellen Vorstellungen gehen.

Wissen meine Kinder eigentlich was ich mir wünsche, wenn ich sie mal wieder schimpfe? Und nehme ich ihre vielen kleinen liebenswerten Verhaltensweisen, als selbstverständlich hin? Meine Antworten auf diese Fragen waren haarsträubend!

Also habe ich mich und mein Verhalten „umkonditioniert“ und kleine Dinge, die ich so an meinen Kindern mag wahrgenommen und positiv verstärkt. Ohne Klicker. Mit kleinen Berührungen, einem kleinen Lächeln…

Das Ergebnis war auch hier sehr empfehlenswert, auch bei meinem Mann…