Rohfütterung beim Hund – wer es nicht kann sollte es lassen

Hunderatgeber Tierarzt-Beratung

Barfen: Eine Kunst für sich, wer es nicht kann sollte es lassen.
Warum?

Von Dr. med. vet. Andreas Schüll

Wollen Sie Ihren Hund Barfen? Dann ist die Grundlage ein wirklich intensives Studium. Sie werden Bücher lesen müssen, Seminare besuchen und sich immer aktiv weiterbilden.

Fleisch ist nicht gleich Fleisch, Fisch ist nicht gleich Fisch. Oftmals wird auch in speziellen Barf- Büchern nur oberflächlich über das Thema Risiken und Gefahren geschrieben, doch beim „selber Kochen“ sind viele Gefahren im Detail versteckt. Hier ein Beispiel:

Schilddrüsenhormone beeinflussen den gesamten Stoffwechsel, alle Organfunktionen und die Psyche von Mensch und Tier. Sowohl ein Mangel als auch ein Überschuss an diesen Hormonen verursacht schwere Erkrankungen. Während eine Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose), also ein Hormonmangel bei Hunden häufiger vorkommt, tritt eine Überfunktion (Hyperthyreose) äußerst selten auf. Bei Routineblutuntersuchungen stellten Tierärzte einer privaten Tierklinik in Hessen und der Justus-Liebig-Universität in Gießen jedoch bei einigen Hunden erhöhte Schilddrüsenwerte fest. Gemeinsam hatten alle Hunde, dass sie seit einiger Zeit „gebarft“, also ausschließlich mit Futter auf Basis von rohem Fleisch, Innereien und Knochen ernährt wurden. Die Hälfte der Tiere mit den erhöhten Schilddrüsenwerten zeigte bereits alarmierende Symptome wie Gewichtsverlust bei erhöhtem Appetit, aggressives Verhalten, Herzrasen, Hecheln und Ruhelosigkeit. Die Tierärzte vermuteten, dass vor allem die versehentliche Fütterung von Schilddrüsengewebe, das an Schlünden und Luftröhren der Schlachttiere haftet, dafür verantwortlich ist. Nach einer Futterumstellung auf kommerzielles Fertigfutter verschwanden die Symptome innerhalb von zwei Wochen, und die Blutwerte der Tiere normalisierten sich.

Da es heutzutage sehr gutes Trocken- oder Nassfutter im Handel gibt, kann man auch guten Gewissens auf eine „Fertigmischung“ zurückgreifen.
Es sollte nur gebarft werden, wenn man sich auch intensiv mit diesem komplexen Thema auseinandersetzten will.